Bezirks- und Gemeindesuche
Mariazell sucht einen Bürgermeister
Die Kleine Zeitung lud die Spitzenkandidaten der Mariazeller Parteien zur Diskussion ins dortige Europeum. Es wurde sehr fair diskutiert, und für manche der 200 Besucher war diese Runde auch eine Entscheidungshilfe für die Wahl.
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Der Scherfler-Saal des Europeums war bis auf den letzten Platz besetzt, viele Besucher drängten sich auf Stehplätzen. Kein Wunder, schließlich ist es nur noch eine gute Woche bis zur Gemeinderatswahl, und die Ausgangslage verspricht in Mariazell heuer viel Spannung. Vier Parteien rittern um die 15 Gemeinderatsmandate (siehe Info-Kasten links). Und: Alle außer FPÖ-Chef Bernhard Mikschowsky sind neu in der Politik.
Gut 200 Besucher waren gekommen, das Klima war trotzdem familiär: Man kennt einander, fast alle sind per du. Noch einer Vorstellungsrunde fragte Kleine Zeitung-Redakteur Ulf Tomaschek die Spitzenkandidaten, was in Mariazell vordringlich zu tun sei. Der Arzt Walter Surböck, Obmann der Bürgerliste, will vor allem eine neue Kultur des Miteinander, und das über alle Parteigrenzen hinweg: "In einem Bürgerforum soll Meinungsbildung erfolgen, und was einer Mehrheit als wichtig erachtet, soll auch umgesetzt werden."
Der Gastronom und neue SPÖ-Chef Nino Contini wünscht sich mehr Kommunikation zwischen Gemeinde und Bevölkerung. Darüber hinaus sind, so Contini, die großen Themen ohnehin bekannt: Erhalt des Krankenhauses, Fernwärmeversorgung und vor allem das Gemeindebudget: "Mariazell hatte im Vorjahr einen Abgang von 490.000 Euro!"
FPÖ-Listenführer Bernhard Mikschowsky will vor allem die Sicherheit erhöhen: "Die Zahl der Einbrüche steigt ständig, und wir müssen auch eine Regelung gegen die Bettelei im Ort finden." Für Josef Kuss, den neuen ÖVP-Spitzenkandidaten, müssen auf alle Fälle die Großprojekte weitergeführt werden: das Rüsthaus, die Fernwärmeversorgung und vor allem das Europeum, das nicht recht ins Laufen kommt. Dann war das Publikum an der Reihe: Weil alle Vier auch den Wunsch zur Zusammenarbeit betont hatten, fragte Amerika-Heimkehrer Walt Schwarz: "Wird das auch so bleiben, wenn Sie nach der Wahl Verlierer sind?" Alle beteuerten einhellig, auch dann dazu zu stehen.
Vor allem Sachfragen
Aber sonst interessierte sich das Publikum vor allem für Sachfragen: Wann denn das lange geforderte Einsatzzentrum endlich kommt, wie es die Kandidaten mit der Jugendarbeit halten, was sie gegen die Abwanderung tun wollen, ob betreutes Wohnen umgesetzt wird und wie es mit dem Europeum weiter geht.
Der langjährige SPÖ-Gemeinderat Gottfried Schöggl kritisierte die mangelnde Erfahrung vor allem von Kuss, der gute Chancen hat, Bürgermeister zu werden. Kuss dazu: "Ich muss natürlich viel lernen, aber ich verspreche, dass ich sehr viel Zeit investieren werde. Und ich kann mich auf eine hervorragende Stadtverwaltung stützen."
Abgesehen von einigen kleineren persönlichen Untergriffen verlief die Diskussion sehr sachlich. Was erstaunte: Außer Kuss meldete niemand den Führungsanspruch an. Mikschowsky: "Macht braucht Kontrolle. Mit mehr Mandaten können wir bessere Kontrolle ausüben." Auch Contini will mit seiner SPÖ "eine starke Opposition sein, dazu kompetent und für alle da". Surböck wiederum betonte: "Es geht nicht um mich, sondern um die Idee, die dahinter steht: ein neuer Umgang miteinander."

















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