Rudi Assauer: "Ich möchte mich nicht vergessen"
Warum ich? Die Diagnose Alzheimer. Die Persönlichkeit, das Ich: Es bleibt nur die Hülle. Fußball-Manager Rudi Assauer macht seine Krankheit öffentlich - jetzt ist sein Abgesang in Buchform erschienen.

Foto © APARudi Assaauer
Was ist Ihre größte Angst? "Vor dem Vergessen, ich möchte mich nicht vergessen." Rudi Assauer (67) im O-Ton, nachzulesen im Magazin Stern. Er, der Parade-Macho, der mit Bruce Willis Bier-Werbung machte; seine Beziehung mit Tatort-Kommissarin Simone Thomalla füllte die Schlagzeilen der Boulevard-Blätter; und den deutschen Fußball-Klub Schalke führte er wie ein König.
Nicht wahrhaben
Jetzt ist sein Abgesang erschienen. Traurig, offen, ehrlich – seine Biografie "Wie ausgewechselt". Man ist fassungslos, dass diese Krankheit so ein Mannsbild aussaugen wird, bis nur noch die Hülle übrig bleibt. Im finalen Stadium kann es sein, dass Patienten sogar auf das Schlucken vergessen.
"Man will es nicht wahrhaben", schildert er. "Und dann sich und den anderen etwas vorspielen. Um alles in der Welt versucht man, dem Gegenüber zu zeigen: War nur ein Aussetzer, ist doch alles in Ordnung... Immer mit der Angst, dein Gesprächspartner merkt was. Auch wenn es eine Krankheit ist, für die man nichts kann – es ist einem oberpeinlich." Erste Anzeichen? 2004, 2005. In seiner Familie gibt es mehrere Alzheimerfälle. Verdrängen, das war lange Zeit die Taktik. Sein an Alzheimer erkrankter Bruder tue ihm schrecklich leid. "Aber ich kann meinen Bruder nicht besuchen, das schaffe ich nicht... Ich will nicht zu ihm, auch wenn es das letzte Mal sein könnte."
Schon länger gab es Gerüchte, dass er alkoholkrank sei, die wenigsten wussten, dass ihn Alzheimer immer stärker angriff. Assauer wollte nicht mehr, dass "die Leute hinter meinem Rücken tuscheln", deshalb outete er sich. Und kämpft. "Ja, ich kämpfe aber. Weiß nur nicht, gegen wen."
Große Rätsel
Auch die Medizin sieht in der Alzheimer-Forschung noch in vielen Bereichen die Gegner nicht. Eiweißablagerungen im Gehirn führen zum Absterben von Gehirnzellen, Synapsen können nicht mehr kommunizieren – das genaue Zusammenspiel dieser Mechanismen liegt aber noch im Dunkeln. Und in der Behandlung? "Es laufen große Impfstudien", weiß Anita Lechner von der Neurologie der MedUni Graz. "Aber auch hier gibt es noch keine Ergebnisse." Auf die Alzheimer-Spritze kann man nur warten – und hoffen, denn auch hier gab es Rückschläge. "Sonst sind keine großen Durchbrüche absehbar", sagt Lechner, und weiß, dass die Komplexität des Gehirns dem Menschen zu weiten Teilen noch verborgen ist.
Alzheimer-Expertin Lechner möchte nichts schönreden, weiß aus ihrer Erfahrung aber auch, dass die Diagnose kein Grund ist, die Hoffnung und das Leben aufzugeben. "Auch wenn die rein kognitiven Fähigkeiten nachlassen, die Gefühlswelt bleibt lange erhalten", erklärt Lechner, dass man im Umgang mit Patienten andere Wertigkeiten setzen muss. Und so trotzdem eine Beziehung aufrechterhalten kann. "Dass es nur noch Elend gibt, habe ich noch nie erlebt", sagt Lechner.
Features
Das Buch
Wie ausgewechselt. Verblassende Erinne- rungen an mein Leben. Von Rudi Assauer und Patrick Strasser. Er- schienen bei Riva, 256 Seiten, 19,99 Euro.
Zitat
"Ich gehe doch erst langsam auf die 70 zu. Ich wollte doch das Alter, das Leben genießen. So ´ne Scheiße."
- Rudi Assauer.
















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