100.000 Seiten Kroatien-Krimi
Teil 3 der Serie: Die Kroatien-Connection der Hypo. Korruption, dubiose Geschäftsleute und eine Bank, die kein Risiko scheute.

Foto © CIKNobelhotel und Appartementkomplex Skiper - Symbol für Hypo-Fehlinvestments in Kroatien
Februar 2010: Kistenweise schleppten die Beamten der SOKO-Hypo Akten aus der Bank. Die Großrazzia bei der Hypo Alpe Adria zielte auf Bank-Töchter auf dem Balkan und Geschäfte in Kroatien. Das war auf den Tag genau vor einem Jahr. "Die Akten für Kroatien sind 100.000 Seiten stark", seufzt Rolf Holub (Grüne), der Vorsitzende des Kärntner Hypo-U-Ausschusses über den "Kroatien-Krimi". Im Drehbuch: Bodenspekulation, verbotene Provisionen, abenteuerliche Projektfinanzierungen, Verdacht auf Untreue, Geldwäsche und Bildung krimineller Vereinigung. Hunderten Millionen Euro muss die Hypo bei Projekten im Balkan-Dunst ade sagen oder in Liechtensteiner Stiftungen nachspüren.
Februar 2011: Im Salzburger Gefangenenhaus sitz der kroatische Ex-Regierungschef Ivo Sanader seit zweieinhalb Monaten in U-Haft und weist jeden Verdacht, von der Hypo Provisionen kassiert zu haben, von sich: Er habe "mit Jörg Haider nie telefoniert" und die Ex-Hypo-Vorstände Wolfgang Kulterer und Günther Striedinger "nicht öfter gesehen, als andere Vorstände ausländischer Banken". Er wähnt "Rufmord" und Hexenjagd" gegen sich.
Einen Tag vor Sanader wurde dessen Vertrauter und Hypo-Lobbyist Robert Jezic inhaftiert. Eine Haftstrafe sitzt in Zagreb Ex-General Vladimir Zagorec ab. Sie tauchten bei Projekten auf, die die Hypo mitfinanzierte.
Verluste bescherten der Hypo Tourismusprojekte wie AB Maris, wo Ex-BZÖ-Mann Detlev Neudeck mit Berater Hermann Gabriel und Anwalt Gerhard Kucher mitmischte oder in Novigrad, wo der einstige Haider-Vertraute Harald Fischl die Marina blockiert. Millionen versenkt wurden beim Skiper-Projekt in Savudrija, bei dem Miro Oblak verdient hat, ehe der Hotelkomplex bei der slowenischen Baufirma Vegrad landete. Die ging 2010 in Konkurs, an dem die Hypo Slowenien nagt, deren gesamter Vorstand kürzlich gefeuert wurde.
Die Protagonisten
Ivo Sanader, Ex-Regierungschef Kroatiens und mit zahlreichen österreichischen Politikern auf Du und Du, sitzt seit 10. Dezember 2010 in Salzburg in U-Haft. Er weist alle Vorwürfe, Provisionen von der Hypo kassiert zu haben, von sich. Auch gegen ihn erhobene GeldwäscheVorwürfe bestreitet er.
Vladimir Zagorec, Ex-Kriegsgeneral und umrankt von Gerüchten um Kroatiens verschwundene Staatsdiamanten, sitzt in Zagreb eine mehrjährige Haftstrafe ab. Die Justiz prüft bei ihm Grund- und Hotel-Deals von Rovinj bis Hvar, für die Geld über Liechtenstein lief.
Robert Jezic zählt zu den schillerndsten Unternehmern Kroatiens - mit engen Verbindungen zu Ivo Sanader und zur Hypo Alpe Adria. In einem Brief empfahl Wolfgang Kulterer Jezic als Lobbyisten wärmstens an Tilo Berlin weiter. Jesic sitzt in Zagreb in U-Haft.
Miro Oblak, aus Jesenice stammender Klagenfurter Unternehmer mit Wohnsitz in Genf, verdiente mit Grundstücken in Savudrija beim verlustreichen Skiper-Projekt. Als Italiener vorübergehend mitmischten, bekam er "Pistolenkugeln im Briefkuvert" geschickt.
Günther Striedinger baute als Auslandsvorstand der Hypo maßgeblich das Kroatien-Geschäft auf, ehe er nach dem Swap-Skandal 2006 ausschied. Er bestreitet jede Verbindung zu Zagorec und will auch sonst an Hypo-Krediten "nur mit Gremialbeschlüssen" beteiligt gewesen sein.














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