Hallo Hypo: Kredit auf Anruf Haiders
Im Hypo-Prozess ab 1. März geht es um zwei banale Kredite. Sie entlarven, wie sich die Politik der Bank bemächtigte. Im ersten Teil unserer Serie rund um den Hypo-Krimi dreht es sich um Kulterer und die Haider-Bank.

Foto © APA/Robert NewaldHypo-Partner im Pakt wie im Streit: Kulterer und Hauder (rechts)
Milliardenverluste, 70 Anzeigen, 300 Millionen Schaden, ein Skandalnetzwerk von Balkan-Mafiosi bis zu Liechtenstein-Stiftungen, Geldwäscheverdacht und Kumpanei zum Exzess. Im Kärntner Hypo-Skandal bricht nun die Zeit der Sühne an. Doch nicht Kroatien-Betrug oder korrupte Bereicherung, sondern zwei Kreditfälle bringen Wolfgang Kulterer ab 1. März am Landesgericht Klagenfurt auf die Anklagebank. Staatsanwalt Andreas Höbl wirft ihm und den Mitangeklagten Gert Xander und Albin Ruhdorfer Untreue vor - für die sorglose Vergabe eines Zwei-Millionen-Kredites an die Pleite-Fluglinie Styrian Spirit und ein 150.000-Euro-Darlehen an Detektiv Dietmar Guggenbichler.
Die Fälle sind banal genug für 24 Seiten Anklageschrift. Richter Norbert Jenny hat gleichwohl ein brandheißes Verfahren zu leiten: Es leuchtet die systematische Vermischung von Politik und Bank aus - das System Jörg Haider. Funktionierte es so glatt, dass ein Anruf bei Kulterer genügte, damit Hypogeld für Prestigeprojekte und Freunde floss? Die Zeugen bis hin zu Stefan Petzner verheißen Einblicke, wie die Hypo zum Polit-Vehikel verhunzte.
"Nicht schuldig"
Auf "nicht schuldig" wird Anwalt Ferdinand Lanker für Kulterer plädieren. "Die Styrian Spirit war quasi im Eigentum des Landes Kärnten", will er "wirtschaftliche Vertretbarkeit des Kredites" nachweisen. "2005 gab das Land drei Millionen Eigenkapital, die Steirer wollten einsteigen, jede andere Bank hätte damals den Kredit gegeben", sagt auch Anwalt Herbert Felsberger für Kreditchef Ruhdorfer. Ebenso sieht Anwalt Gernot Murko den Ex-Hypo-Österreich-Vorstand Xander unschuldig: "Ein Konkurs war nie absehbar."
Noch weniger sehen sie Schuld beim Kredit Guggenbichlers, da dieser zugleich von Hypo-Holding und -Leasing 180.000 Euro für Detektiv-Arbeit kassierte. Was und wen er ausspähte, wird mit zum Spannendsten im Prozess.
Features
Fotoserie
Kleine Schlagzeilen
"Leute, die einen Termin wollen, bekommen ihn", erklärte Wolfgang Kulterer am 9. Juni 2006 der Kleinen Zeitung, warum er am selben Tag Detektiv Guggenbichler empfing. Dieser erklärte den Termin und den Kredit so: "Haider hat gesagt, er ruft seinen Freund, den Wolfgang an - weil er mir helfen wollte."















-Anzeigen