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Zuletzt aktualisiert: 16.11.2009 um 11:17 UhrKommentare

Chronologie der Hypo-Affaire

Die Kärntner Hypo Group Alpe Adria hat turbulente Zeiten hinter sich und kommt nicht zur Ruhe. Nach 15 Jahren rasanter Expansion gab es im März 2006 die erste Delle, als die Swap-Verluste vom Herbst 2004 bekanntwurden. Die Folgen waren gravierend. Im Folgenden eine Chronologie der Ereignisse.

Foto © APA

1992:

Knapp nachdem das Land Kärnten die Grazer Wechselseitige Versicherung (GraWe) als Miteigentümer ins Boot geholt hatte, beläuft sich die Bilanzsumme der Bank auf gerade einmal 1,87 Milliarden Euro (25,8 Milliarden Schilling). Wolfgang Kulterer wird als Vorstand installiert, die Hypo in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Kulterer setzt auf Expansion und nach dem Zerfall Jugoslawiens engagiert er sich rasch in den Nachfolgestaaten. 1995 wird das Institut in Hypo Alpe-Adria-Bank umbenannt.

Der Gang nach Südost beginnt vorerst mit Leasing-Gesellschaften in Slowenien und Kroatien, wo 1997 die kroatische Hypo-Tochter ins Leben gerufen wurde. In rascher Folge werden weitere Beteiligungen eingegangen und Bankentöchter gegründet. 2005 ist die Bilanzsumme bereits auf 24,23 Milliarden Euro gepusht worden, 2008 liegt sie bereits bei 42,3 Milliarden Euro.

Feber 2005:

Bei der Präsentation der Bilanz 2004 geht der damalige Hypo-Chef Wolfgang Kulterer noch davon aus, dass die Hypo Alpe-Adria ihr rasantes Wachstum bis 2009 fortsetzen wird. Zu diesem Zeitpunkt wusste man intern schon von den Millionenverlusten durch Swap-Geschäfte.

Juni 2005:

Das Land Kärnten hohlt sich Mittels einer Wandelschuldverschreibung 500 Millionen Euro aus der Hypo Alpe-Adria. Zu diesem Zeitpunkt geht man noch von einem Börsengang 2008 aus.

März 2006:

Die Swap-Verluste werden bekannt, Kulterer gerät unter Druck, die Finanzmarktaufsicht geht in der Zentrale aus und ein. In der Folge muss die Bilanz 2004 neu erstellt werden, sie ist negativ.

September 2006:

Siegfried Grigg übernimmt den Vorstandsvorsitz, Kulterer wechselt an die Spitze des Aufsichtsrates und zieht im Hintergrund weiter die Fäden. Der Börsengang wird zwar offiziell nicht abgeblasen, ist aber bereits vom Tisch.

Dezember 2006:

Tilo Berlin steigt mit 125 Millionen Euro von "vermögenden Privatpersonen" mit 4,5 Prozent bei der chronisch eigenkapitalschwachen Bank ein.

Jänner 2007:

Die Grawe kündigt an, einen Teil ihrer Hypo-Anteile an Berlin zu verkaufen, die Rede ist von 400 Millionen Euro Kapitaleinsatz.

Frühjahr 2007:

Hinter den Kulissen laufen bereits die Gespräche mit BayernLB-Chef Werner Schmidt, den Berlin von gemeinsamen Vorstandsjahren bei der baden-württembergischen Landesbank kennt. Nach weiteren 125 Millionen Euro Kapitaleinsatz liegt Berlin bereits bei der Sperrminorität.

Mai 2007:

Die BayernLB bietet offiziell mehr als 1,5 Milliarden Euro für 50 Prozent plus eine Aktie an der Hypo Group. Landeshauptmann Jörg Haider will den Deal auf jeden Fall ermöglichen, er erklärt sich auch bereit, notfalls sämtliche Landesanteile zu verkaufen. Auch die Erste Bank hat interesse an der Kärntner Landesbank.

Einigung über den Verkauf an die Bayern, der Kaufpreis beträgt 1,62 Milliarden Euro, dazu gibt es eine "Sonderprämie" für die Altaktionäre in der Höhe von 50 Millionen Euro. Die Grawe verkauft aber nicht direkt an die BayernLB, sondern an die Gruppe um Tilo Berlin, der seine Anteile schließlich an die Bayern weiterverkauft. Tilo Berlin soll dabei binnen weniger Monate mehr als 100 Millionen Euro verdient haben.

Der Verkaufsvertrag wird unterschrieben. Alle Beteiligten preisen die Bankenehe. BayernLB-Chef Werner Schmidt bezeichnet den Kaufpreis von 1,625 Milliarden Euro als angemessen. Er betont, dass er keine Angst habe, dass in der Hypo Alpe-Adria noch Risken schlummern könnten.

Sommer 2007:

Ein Untersuchungsausschuss im Kärntner Landtag befasst sich mit dem Verkauf, wesentliche Erkenntnisse werden jedoch nicht gewonnen. Tilo Berlin löst Siegfried Grigg als Vorstand der Hypo Alpe-Adria ab.

September:

Sämtliche Nationalbanken der Länder, in denen die beiden Banken aktiv sind, haben den Deal abgesegnet, am längsten hat es in Kroatien gedauert.

Oktober 2007:

Closing in München, das Geld wird überwiesen, die Mehrheit an der Hypo wechselt zur BayernLB. Die BayernLB hält knapp über 50 Prozent, die Grawe 26,45 Prozent, das Land über die Kärntner Landesholding 20 Prozent, die Hypo-Alpe-Adria-Mitarbeiterstiftung 3,33 Prozent und Berlin & Co 0,22 Prozent.

November 2007:

Die BayernLB schießt gut 440 Millionen Euro Kapital in die Hypo nach, die Grawe knapp 160 Millionen Euro.

Oktober 2008:

Die ehemaligen Vorstände der Hypo Alpe-Adria, Wolfgang Kulterer, Günter Striedinger sowie Thomas Morl müssen sich wegen Bilanzfälschung vor Gericht verantworten.

November 2008:

Wolfgang Kulterer gesteht den Vorwurf der Bilanzfälschung und wird zu 140.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Günter Striedinger wird ebenfalls zu einer Geldstrafe verurteilt, geht aber in Berufung. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Die Finanzkrise ist da, die Bayern pumpen noch einmal 700 Millionen Euro in die Hypo. Díe Bank erhält aus dem Bankenhilfspaket der österreichischen Regierung 900 Millionen Euro PS-Kapital, der Anteil des Landes sinkt weiter und liegt nur noch bei 12,42 Prozent.

April 2009:

Bei der Präsentation der Jahresbilanz für 2008 wird bekannt, dass die Hypo Group Alpe-Adria mit einem Verlust von 520 Millionen Euro abschließt. Tilo Berlin verlässt die Bank.

November 2009:

Die Hypo-Mutter BayernLB gibt bekannt, dass die Hypo Group Alpe-Adria 2009 vor einem Verlust von rund einer Milliarde Euro steht. Sie will eine Kapitalerhöhung vornehmen unter Beteiligung der Miteigentümer Grazer Wechselseitige und dem Land Kärnten.


KLEINE.tv

Die zweite Woche im Hypo-III-Prozess

Kleine Zeitung Kärnten Wirtschafts-Redakteur Thomas Cik analysiert die z...Bewertet mit 4 Sternen

 

Serie "Die Akte Hypo"

Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Bereicherung und Balkangeschäfte hinter Stiftungsschleiern, Verlust-Exzesse bis zum Beinahe-Ruin. Der Krimi um die Hypo Alpe-Adria. Die Serie zum Mega-Debakel der Kärntner Landesbank.

 

Grafik: 1. Halbjahr 2010 & Entwicklung der HGAA

Quelle: APA
 


Eigentümer

Am 14. Dezember 2009 wurde die Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer BayernLB, Grawe und Land Kärnten mussten ihre Anteile für je einen Euro abtreten.

 

Grafik: Konzernstruktur

Quelle: APA
 

Grafik: Kärntens Finanzen

Quelle: APA
 


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