Wo ein Mitt Romney, dort auch ein Fettnapf
Der Multimillionär sagte dem Fernsehsender CNN, er sorge sich nicht um die "sehr Armen", sondern um die Mittelschicht. Ein gefundenes Fressen für seinen Gegner Newt Gingrich, dieser konterte: "Ich interessiere mich für alle Amerikaner."

Foto © ReutersMitt Romney setzt sich nicht für alle Amerikaner ein
Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney hat nach seinem Vorwahlsieg in Florida mit einer Äußerung über sozial Schwache für Empörung gesorgt. Der Multimillionär sagte dem Fernsehsender CNN, er sorge sich nicht um die "sehr Armen", sondern um die Mittelschicht. Unterdessen mischte sich Immobilienmogul Donald Trump wieder in das Nominierungsrennen der Republikaner ein. "Ich bin um die sehr Armen nicht besorgt. Wir haben ein Sicherheitsnetz. Und wenn das repariert werden muss, werde ich es reparieren", sagte Romney am Mittwoch. Der Ex-Gouverneur von Massachusetts ergänzte: "Ich bin besorgt um das Herz von Amerika - die 90 bis 95 Prozent der Amerikaner, die derzeit kämpfen müssen."
Nicht der erste Patzer
Romney hatte mit einem klaren Erfolg bei den Vorwahlen am Dienstag in Florida wieder vollen Kurs auf die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei genommen. Im Wahlkampf unterliefen ihm bereits mehrfach fragwürdige Aussagen, die den früheren Chef einer Investmentfirma abgehoben von den Sorgen der breiten Bevölkerung erscheinen ließen. So bezeichnete er seine Redehonorare in Höhe von 374.000 Dollar (284.000 Euro) als "nicht viel". Dem mittlerweile ausgestiegenen Bewerber Rick Perry bot er in einer TV-Debatte kurzerhand eine Wette mit einem Einsatz von 10.000 Dollar an.
Der Multimillionär war auch in die Kritik geraten, weil er in den vergangenen Jahren auf seine Einkünfte nicht einmal 15 Prozent Steuern gezahlt hatte. Zudem musste er sich gegen Vorwürfe wehren, mit seiner Investmentfirma Bain Capital hohe Profite auf dem Rücken von angeschlagenen Unternehmen und deren Angestellten erzielt zu haben.
Gingrich interessiert sich "für alle Amerikaner"
Romneys schärfster innerparteilicher Rivale, Newt Gingrich, reagierte prompt auf die Äußerungen des Ex-Gouverneurs. "Ich habe genug von Politikern beider Parteien, die zwischen Amerikanern unterscheiden", sagte Gingrich. Er wolle der Präsident aller US-Bürger sein: "Ich interessiere mich für alle Amerikaner." Auch Präsident Barack Obama, der seine Wiederwahl vor allem mit der Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit erreichen will, dürften die Worte seines möglichen Gegners sehr gelegen kommen. Romney versuchte später, seine Äußerungen zu relativieren. "Natürlich sorge ich mich um alle Amerikaner", sagte er vor Journalisten. Er wolle sein Augenmerk aber vorrangig auf Familien mit mittlerem Einkommen richten, da diese seiner Ansicht nach am meisten unter der Wirtschaftspolitik von Obama litten.
Die nächsten Vorwahlen finden am Samstag in Nevada und in Maine statt. In der Wüstenstadt Las Vegas wollte sich der Immobilienmogul Trump wieder in den Nominierungsprozess einschalten und in einer Pressekonferenz am Donnerstag seine Unterstützung für einen der Bewerber verkünden. Während die "New York Times" und andere Medien zunächst berichtet hatten, Trump würde sich hinter Gingrich stellen, wartete CNN am Donnerstag mit der Nachricht auf, Romney könne auf die Rückendeckung des Milliardärs zählen.
Trump hatte im Frühjahr 2011 mit der Möglichkeit kokettiert, sich für die Kandidatur der Republikaner zu bewerben. Dabei hatte er eine bizarre Debatte um die Veröffentlichung von Obamas Geburtsurkunde befeuert. Der Baulöwe steht im Ruf, fast keine Möglichkeit zur Selbstdarstellung auszulassen.
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Fakten
Mitt Romney, geboren am 12. März 1947 in Detroit. Sein Vater George W. war Gouverneur von Michigan.
Karriere: Jus- und BWL-Abschluss in Harvard, Unternehmensberater, gründet "Bain Capital". 1999: Organisation der Olympischen Spiele in Salt Lake City.
Familie: verheiratet, fünf Söhne, 16 Enkel.











