Der Mann, der Obama stürzen könnte
Mitt Romney könnte Barack Obamas großer Herausforderer werden. Er ist der Ungeliebte. Der "Romney-Bot", Roboter. Aber er ist auch seriös, Familienmensch und sehr, sehr reich.

Foto © APIm Bundesstaat Florida ging Mitt Romney als klarer Vorwahlsieger der Republikaner hervor
Er ist der Ungeliebte. Der "Romney-Bot", Roboter. Der Liberale. Der Mann, der einmal nach Kanada fuhr und den Hund der Familie auf dem Autodach festgebunden hat (in einer Kiste). Und trotzdem ist er auf dem Weg nach oben. Mitt Romney, republikanischer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, gewann mit Florida einen der bevölkerungsreichsten Staaten der USA. Wird er der Herausforderer Barack Obamas bei der Präsidentenwahl im November?
Nächster Halt: Nevada
Als nächstes steht für die Republikaner bei ihrer Kandidatenkür Nevada an; dort dürfte Romney als Mormone ein Heimspiel haben. Aber noch sind die Vorwahlen am Anfang, erst der "Super Tuesday" am 6. März dürfte Klarheit bringen. Romney führt eine heftige Abwehrschlacht gegen innerparteiliche Gegner vor allem der rechtspopulistischen Tea Party, die den früheren Gouverneur von Massachusetts für einen verkappten Linken halten. Konkurrent Newt Gingrich feindet den Parteifreund mit allen Mitteln an. In South Carolina hatte Gingrich ihn mit schierer Angriffslust aus dem Weg gebissen; in Florida zeigte sich Romney, der sich lange als seriöser Anzugträger stilisiert hatte, nun ebenfalls angriffslustig und präsentierte sich als der Anti-Washington-Kandidat - gegen Gingrich. Dass Romney mit Republikanern aus den Südstaaten nicht warm wird, ist kein Wunder, denn er ist ein klassischer Ostküstenpatriarch: Sein Vater George Romney war Gouverneur von Michigan und Vorstandsvorsitzender von American Motors.
Mitt war im Vietnamkrieg mormonischer Missionar in Frankreich. Zurück in den USA, heiratete er Jugendliebe Ann Davies; die beiden haben fünf Söhne. Nach seinem Harvard-Abschluss ging er zu einer Wirtschaftsberatung in Boston, wechselte zu Bain und Company, und gründete bald mit Bain Capital seinen eigenen Private Equity Fonds, der Firmen aufkaufte, zerlegte, ausschlachtete und gegebenenfalls weiterverkaufte. Damit wurde er reich. Gerade ist er dabei, eines seiner Ferienhäuser, eine Zwölf-Millionen-Dollar-Villa in San Diego, durch ein größeres Haus zu ersetzen.
Der Multimillionär ist ein Mann der Konzerne, der auf einer Wahlveranstaltung einmal sagte: "Konzerne sind auch Menschen." Auch seine Wahlkampfspenden kommen aus der Finanzindustrie. Der New York Times zufolge flossen im zweiten Halbjahr 2011 rund 30 Millionen Dollar von 200 Großspendern. Geldgeber aus Texas liefen zu Romney über, nachdem der dortige Gouverneur Rick Perry aufgegeben hatte. Romney kann seine Konkurrenten mit Geld an die Wand drücken.
Nur 15 Prozent steuern
Das aber ist eine Steilvorlage für die Demokraten, die Romney ohnehin vorwerfen, dass er als Geschäftsführer von Bain Capital Jobs vernichtet hat, und dass er nur 15 Prozent Steuern zahlt, halb so viel wie ein normaler Angestellter. Obama wird Romney als Lakei der Wall Street darstellen, während sich die Demokraten als Anwälte der kleinen Leute gerieren werden.
Die Parteirechten hingegen stört, dass Romney als Gouverneur relativ liberal war; er hat in Massachusetts eine Krankenversicherung eingeführt, die der verhassten "ObamaCare" ähnelt, und er hatte liberale Positionen, was Abtreibung und Schwulenehe angeht (die heute in Massachusetts legal ist). An die kann er sich heute zwar nicht mehr erinnern. Aber das ständige Wechseln der Position stört die Wähler mehr. So wirbt etwa Gingrich um die Stimmen der Hispanics; er forderte, wer schon lange in Amerika sei, müsse bleiben dürfen. Romney war erst dagegen; nun aber erzählte er den Hispanics in Florida, auch sein Vater stamme aus Mexico. Nicht so ganz: Romneys Großvater war mit seinen Frauen von Utah nach Mexiko geflüchtet, weil die Mormonen damals in polygamen Ehen lebten, was in den USA verboten war. Dort wurde Vater George Romney geboren. Allerdings: Dass Romney Mormone ist, könnte ihm noch zum Verhängnis werden, denn den Religiösen Rechten ist das suspekt.
Eva Schweitzer ist Autorin von "Tea-Party - Die weiße Wut". 2012.
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Fakten
Mitt Romney, geboren am 12. März 1947 in Detroit. Sein Vater George W. war Gouverneur von Michigan.
Karriere: Jus- und BWL-Abschluss in Harvard, Unternehmensberater, gründet "Bain Capital". 1999: Organisation der Olympischen Spiele in Salt Lake City.
Familie: verheiratet, fünf Söhne, 16 Enkel.













