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Zuletzt aktualisiert: 16.02.2012 um 11:36 UhrKommentare

Schwierige Rückkehr in den Alltag

Stromausfälle und Müllberge in Tripolis und die Unmut über die Situation wächst. Die Sicherheitslage ist weiter heikel.

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Ein Jahr nach dem Beginn der Revolution in Libyen gestaltet sich die Rückkehr in den Alltag weiterhin schwierig. Nach Ansicht des österreichischen Wirtschaftsdelegierten in Tripolis, David Bachmann, gibt es dennoch einigen Grund zum Optimismus, besonders für die wirtschaftliche Entwicklung. Libysche Politiker würden sogar hoffnungsvoll davon sprechen, aus ihrem ölreichen Land werde einmal ein "Norwegen des Mittelmeers" werden.

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Zunächst gibt es allerdings noch einige Probleme zu lösen: Etwa häuften sich in Tripolis in vielen Stadtteilen die Müllberge, und auch der Strom falle weiterhin häufig aus, erzählte Bachmann. Während des Krieges flüchteten die meisten ausländischen Arbeiter aus dem Land, die in dem reichen Wüstenstaat oft die Knochenarbeit bei der Müllabfuhr und anderen städtischen Dienstleistern übernahmen. Will man in Tripolis seinen Müll abgeholt haben, ist dafür meist Bakschisch an die Müllabfuhr-Leute zu entrichten, sagte der Wirtschaftsdelegierte.

Auch die Kälte setze den Einwohnern der libyschen Hauptstadt zu. Die Stromausfälle führten dazu, dass die in Libyen beliebten Stromheizungen nicht funktionieren, sagte Bachmann. Trotz der mediterranen Lage Libyens falle darum die Temperatur in vielen Privatwohnungen im Winter häufig unter 12 Grad.

Infolge der revolutionären Wirren bezahle zudem momentan niemand in Libyen mehr Rechnungen für Wasser, Strom und Gas. Das heiße aber nicht, dass man von den Zahlungen endgültig befreit und die Schuld erlassen werde. Man könne davon ausgehen, die Rechnungen früher oder später begleichen zu müssen.

In der Bevölkerung wachse langsam die Unmut über die Situation. Es werde für die Übergangsregierung zunehmend schwierig, die Menschen ruhig zu halten, sagte Bachmann. Die Regierung rufe immer wieder zu Geduld auf und zahle nun wieder Gehälter an die vielen Staatsangestellten des bis vor einem Jahr formell sozialistischen Staates aus.

Inzwischen sei auch der Geschäftssinn der Libyer wiedererwacht, sagte der seit vier Jahren in dem Land stationierte Wirtschaftsdelegierte. Die Menschen stünden wieder in ihren Geschäften. Abgesehen davon entwickle sich derzeit der Privatsektor, der unter dem ehemaligen libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi unterdrückt wurde. In Abwesenheit staatlicher Regulierung habe man nun als Unternehmer freie Hand in Libyen, und der unternehmerische Geist des alten Händlervolkes erwache wieder.

Zu Schäden und Verwüstungen im Lande sagte Bachmann, dass in den ausländischen Medien übertrieben werde. So sei die wichtige Küstenstadt Misrata weniger zerstört als angenommen, der wirtschaftlich bedeutsame Hafen beinahe unversehrt. Verharmlosen wolle er die Situation aber nicht. In manchen Teilen der Stadt, in denen intensiv gekämpft worden sei, sehe man an jedem Haus ein bis zwei Einschusslöcher. In kleineren Orten wie Sirte und Bani Wali gebe es verheerende Schäden.

Die Sicherheitslage in Libyen gilt allerdings nach wie vor als heikel. Immer wieder war es in den vergangenen Woche zu Kämpfen zwischen Milizionären gekommen. Häufig würden Auseinandersetzungen, die man früher mit Worten oder Fäusten ausgetragen habe, heute mit Waffen führen. Nur nach und nach verschwänden die Waffen aus dem Alltag. Erst zu Jahresende 2011 hatte die Übergangsregierung ein Programm gestartet, um die Bevölkerung zu entwaffnen, und Miliztruppen in die neue, reguläre Armee zu integrieren.

Schwierigkeiten bereite es auch, dass Häuser und Besitztümer schlicht besetzt oder geplündert worden seien, sagte Bachmann. Der Besitz von Funktionären des Gaddafi-Regimes sei ohne rechtliche Grundlage enteignet worden, und auch schon unter Gaddafi habe es häufig Enteignungen von unliebsamen Personen gegeben. Darum würden sich heute oft zwei oder mehrere Personen um eine Immobilie streiten, und auch auf das gemietete Büro der Wirtschaftskammer in Tripolis hätten zwei Eigentümer Ansprüche angemeldet, erzählte Bachmann. Derzeit warte man ab; eine baldige Lösung sei in diesem und vielen anderen Fällen nicht zu erwarten.


Stichwort: Syrien

Nach über vierzigjähriger Herrschaft ist die autokratischen Herrschaft der Assad-Familie in Syrien ins Wanken geraten.

Grafik: Das Herrschaftssystem/APA
 

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