Syriens wechselvolle Geschichte
Assads Diktatur schuf nach Jahrzehnten der Unruhen einen starken Staat.

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Syrien ist seit dem Zweiten Weltkrieg ein souveräner Staat. Seit Jahrtausenden ein Durchgangsland der Völker - Assyrer, Babylonier, Perser, Hethiter, Römer und Byzantiner -, wurde es im 7. nachchristlichen Jahrhundert von den Arabern erobert und islamisiert. Ab 750 gehörte es zum Abbasiden-Reich, um 1252 unter die Herrschaft der ägyptischen Mameluken zu fallen und 1516 Teil des Osmanischen Reiches zu werden. Im 19. Jahrhundert versuchten die europäischen Mächte, ihre Interessen in der Region geltend zu machen. Frankreich intervenierte militärisch zum Schutz der christlichen Minderheiten.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Syrien (zusammen mit dem Libanon) französisches Völkerbund-Mandat. Bereits 1916 hatten Briten und Franzosen in dem geheimen Sykes-Picot-Abkommen ihre jeweiligen Interessensphären abgesteckt. Zugleich erwachte der arabische Nationalismus und der Wunsch nach Unabhängigkeit: Am 24. Dezember 1918 wurde in Damaskus der Großscherif Hussein von Mekka aus der Haschemiten-Dynastie zum "König von Arabien" proklamiert, doch mussten sich seine Söhne Faisal und Abdullah mit dem Irak und Transjordanien unter britischem Schutz abfinden.
Bereits 1930 erhielt Syrien eine Verfassung nach französischem Vorbild (der Dritten Republik) mit einem (indirekt gewählten) Präsidenten und einer Regierung, doch blieb Frankreichs Vormachtstellung bis zum Zweiten Weltkrieg unangetastet. Der mit der Pariser Volksfront-Regierung von Ministerpräsident Léon Blum 1936 geschlossene Unabhängigkeitsvertrag wurde vom französischen Parlament nicht ratifiziert. 1941 eroberten britische und freifranzösische Truppen das Land und entzogen es der Kontrolle durch das mit Hitlerdeutschland kollaborierende Vichy-Regime. 1944 erkannten Briten und Franzosen die syrische Unabhängigkeit an. 1945 erklärte Syrien Deutschland den Krieg, wurde in die UNO aufgenommen und wirkte an der Gründung der Arabischen Liga mit. Am 17. April 1946 zogen die letzten französischen Truppen ab.
Die ersten Jahre des unabhängigen Staates waren von schwersten inneren Unruhen und Militärrevolten gekennzeichnet. Nach der Präsidentschaft von Shukri al-Kuwatli und dem ersten israelisch-arabischen Krieg wurde 1949 Präsident Hosni Zaim, ein zur kurdischen Minderheit gehörender und von den USA unterstützter General, von einer Offiziersgruppe gestürzt und erschossen. Eine Junta unter der Führung von Oberst Zami Hinnawi übernahm die Macht. Es folgten weitere Umstürze und die Diktatur von Adib Shishakli, der 1955 entmachtet wurde. Das Land bekämpfte den pro-westlichen Bagdad-Pakt und schloss ein Bündnis mit Ägypten unter Präsident Gamal Abdel Nasser. 1958 erfolgte die Fusion der beiden Staaten zur "Vereinigten Arabischen Republik" (VAR), die jedoch schon nach drei Jahren auseinanderbrach.
1963 übernahm die panarabisch-nationalistische Baath-Partei in Syrien die Macht. Die säkulare "Partei der Arabischen Wiedergeburt" war 1947 von dem syrischen Christen Michel Aflak gegründet worden. 1966 kam es nach einem heftigen Machtkampf zur Ausschaltung der "rechten" Baath-Kräfte. Der radikale "Neo-Baath" unter Präsident Nureddin al-Atassi kam ans Ruder und schloss ein Bündnis mit der Sowjetunion. Der 36-jährige Luftwaffenchef General Hafez al-Assad wurde Verteidigungsminister. 1970 stürzte er Atassi und optierte für einen "pragmatischeren" Kurs. 1973 erhielt das Land eine "sozialistische" Verfassung. Die Baath-Partei, die auch im Irak mit einem Militärcoup an die Macht gekommen war und dort bis zum Sturz Saddam Husseins durch die USA herrschte, fühlt sich als Avantgarde zur Führung der gesamten arabischen Welt berufen.









