"Die Wertschätzung für Ältere fehlt"
Betriebe sind für Ältere kaum gerüstet, meint Wifo-Expertin Christine Mayrhuber.
D ie Österreicher sollen in den nächsten Jahren später als bislang in Pension gehen. Welche Auswirkungen wird das auf den Arbeitsmarkt haben?
CHRISTINE MAYRHUBER: Wir gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit 2012 und 2013 weiter steigen wird. Bei dieser angespannten Arbeitsmarktsituation wird wahrscheinlich alles, was 2012 und 2013 bereits greifen soll, zu einer steigenden Arbeitslosigkeit führen. Mittel- und langfristig in fünf bis zehn Jahren wird es so sein, dass das Arbeitskräfteangebot stagnieren wird und da wird es dann für alle Möglichkeiten geben, einen Job zu finden.
Inwieweit sind Betriebe überhaupt gerüstet für Arbeitnehmer über 60?
MAYRHUBER: Ich denke, da hat Österreich noch einen enormen Aufholbedarf. Es fehlt auch einfach die Wertschätzung der Betriebe gegenüber älteren Mitarbeitern. In schwierigen Zeiten, in denen Betriebe mit Umstrukturierungen konfrontiert sind, sind immer die Alten die Ersten, die entlassen werden. Da wird dann der Betriebsrat aufgefordert, mit Sozialplänen zu arbeiten, um Personalreduktionen sozial abzufedern.
Was wäre nötig für eine Änderung?
MAYRHUBER: Es hat sich in anderen Ländern wie Holland gezeigt, dass erst dann etwas passiert, wenn es Anreize und Sanktionen für Betriebe gibt. In Österreich zeigt es sich auch, dass es auf freiwilliger Ebene nicht so gut funktioniert. Sonst hätten wir nicht das Phänomen, dass die Arbeitslosigkeit der Älteren höher ist als die Arbeitslosigkeit im Durchschnitt.
Was halten Sie von der Forderung, Betriebe zu 10-Prozent-Quoten für die Altersgruppe der 60 bis 65-Jährige zu verpflichten?
MAYRHUBER: Das müsste man sich branchenspezifisch anschauen. Für die Baubranche müssten andere Quoten gelten wie für Banken. Das würde ich nicht über einen Kamm scheren.
Wie könnte Bewusstsein geschaffen werden, damit mehr in Ältere investiert wird?
MAYRHUBER: Bewusstseinsbildung ist wichtig, muss aber mit Anreizen einhergehen, damit Betriebe mehr in Ältere investieren. Und zwar vor der Altersgrenze 60. Was fehlt, sind altersgerechte Arbeitsplätze.













