Eklat: Italiens Senat verweigert Gaddafi Zutritt
Die geplante Ansprache des libyschen Staatschefs musste wegen Protesten der Opposition abgesagt werden. Premier Berlusconi ist empört.

Foto © APAMuammar al-Gaddafi zu Besuch in Italien
Der viertägige Besuch des libyschen Staatschefs
Muammar al-Gaddafi in Rom sorgt für politische Spannungen. Ein am
heutigen Donnerstag geplanter Besuch Gaddafis im römischen Senat, in
dem der libysche Revolutionsführer eine Rede halten wollte, musste
wegen heftiger Proteste der Oppositionsparteien abgesagt werden. Die
Parlamentarier der Opposition hatten mit heftigen Protestaktionen
während Gaddafis Besuch im Senat gedroht. "Gaddafi respektiert weder
die Demokratie noch die Menschenrechte. Es gibt keinen Grund, warum
er im Senat eine Ansprache halten sollte", sagte der
Oppositionsparlamentarier Enrico Morando.
Gedroht.
Die Parlamentarier der oppositionellen Demokratische Partei (PD)
hatten auch damit gedroht, den Senatssaal während der Ansprache des
libyschen Staatschefs zu verlassen. Um einen diplomatischen
Zwischenfall zu vermeiden, beschloss Senatspräsident Renato Schifani,
dass Gaddafi seine Rede nicht im eigentlichen Sitz des Senates im
Palazzo Madama, sondern im nahe liegenden, ebenfalls zu den
Senatsgebäuden zählenden Palazzo Giustiniani halten soll.
Kritik von Berlusconi.
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi, der sich mit
Gaddafi im August über ein Abkommen für die Zahlung an Libyen einer
Entschädigung für die Kolonialzeit von 1911 bis 1941 geeinigt hatte,
kritisierte das Verhalten der Opposition als unannehmbar. Er sprach
von einer "echten und tiefen Freundschaft" zum libyschen Staatschef.
Dieser sagte in Rom, eine neue Ära in den Beziehungen zu der früheren
Kolonialmacht seines Landes habe begonnen. Im Interesse beider
Staaten seien Freundschaft, Frieden, Stabilität und gute
Handelsbeziehungen wichtig, erklärte Gaddafi nach Gesprächen mit
Berlusconi am Mittwoch in Rom.
"Feier für
das schmutzige Abkommen".
Menschenrechtsgruppen kritisierten den Besuch als eine "Feier für
das schmutzige Abkommen", das beide Länder kürzlich erreichten. Es
regelt die Abschiebung illegaler Einwanderer, die von Libyen aus
versucht haben nach Italien zu gelangen. In der Innenstadt von Rom
demonstrierten mehrere hundert Menschen und schwenkten Plakate mit
der Aufschrift "Wir brauchen keinen weiteren Diktator in Italien"
oder "Menschenrechte sind nicht zu verkaufen".
Provokation Gaddafis.
Dass die Beziehungen zwischen Italien und Libyen trotz des
Abkommens nicht ganz freundschaftlich sind, bezeugt auch eine
Provokation Gaddafis bei seiner Ankunft in Rom. Der Staatschef
provozierte mit einem an seine Uniform gehefteten Foto, auf dem der
von Italienern hingerichtete libysche Nationalheld Omar al-Mukhtar zu
sehen ist. Dieser wurde von den Kolonialbehörden hingerichtet wurde,
weil er in den 20er und 30er Jahren eine Rebellion anführte. Zu
Gaddafis insgesamt rund 300-köpfigen Begleitung gehörte auch Omar
al-Mukhtars Sohn Mohammed.













