"Mit Träumen ändert sich die Geografie"
Es ist immer wieder eine helle Freude, eine neue Ausgabe der "manuskripte" in Händen zu halten, selten in jüngerer Zeit aber gab es eine ähnliche Vielzahl an wunderbaren Texten, die zutiefst berühren.
Wie zum Beispiel Monique Schwitters stilles Zwiegespräch mit dem wieder genesenen Alfred Kolleritsch (ein großes Geschenk auch dies) - ein Gezeitenkalender des Lebens mit unendlichen Wellenlängen.
"Mit den Träumen aber ändert sich die Geographie", so betitelte Paul Jandl seine exzellente, im Heft abgedruckte Laudatio auf Thomas Stangl zum heurigen "manuskripte-Preis". Dies könnte auch als Leitmotiv für eine Fülle traumhafter Texte stehen. Dazu zählt etwa die Erzählung "Schnee" von Gerhild Steinbuch, allein schon wegen des scheinbar lapidaren Beginns: "Herr M beendet seine Tätigkeit als Mensch. Er fährt dazu in die Berge." Die Magie der Einstiegssätze, hier ist sie, vollendet und perfekt.
Eine poetische Einstiegsdroge anderer Art ist der Auszug aus dem 2010 erscheinenden Roman "Das Fenster" von Richard Obermayr - hier kündigt sich ein bedeutsames Werk an. Gleiches gilt für "Zulm" von Wilhelm Hengstler; eine Spurensuche zwischen westlichen und indischen Kunst- und Geisteswelten, in der auch das Herz der Finsternis pulsiert.
Mit subtiler Ironie durchsetzt sind die virtuosen Momentaufnahmen von Erwin Einzinger, poetisch tief durchdrungen Nikola Madzivors Gedichte mit dem Titel "Raubgrabungen der Liebe". Wer nach kostbaren Wortgeschenken für stille Tage sucht - wohlan, hier sind sie.














