Eugen Gomringer lädt zur poetischen "Familienkonferenz"
Demnächst wird Eugen Gomringer 85. Schon am Freitag lädt der Vater der Konkreten Poesie deshalb in Graz zur poetischen "Familienkonferenz".

Foto © Privat
Er gilt als "Vater der deutschen Nachkriegsmoderne" (Karl Riha), schreibt aber nicht nur in Deutsch, sondern auch in Schwyzerdütsch, Spanisch, Französisch, Englisch: Eugen Gomringer, Zentralfigur jener Literaturgattung, für die er auch Anfang der 1950er-Jahre den Namen erfand: Konkrete Poesie.
Im Jänner feiert der passionierte Propagandist einer nicht nur auf das Geschriebene beschränkten Kunst der Beschränkung (nicht der Beschränktheit) seinen 85. Geburtstag. Am Freitag feiert er im Rahmen einer "Familienkonferenz" im Grazer Museum der Wahrnehmung schon einmal vor. Mit seiner Frau Nortrud, die eine Lesung ihres Mannes kommentieren wird, und Tochter Nora. Sie, Autorin und Vortragende eigener Texte, aber auch solcher von Papa Eugen, Ernst Jandl, Brecht, Heine, Walt Whitman und Frida Kahlo, lädt zum "poetry slam".
Weniger ist mehr
"das stundenbuch" nannte Gomringer, als Sohn einer Bolivianerin und eines Schweizers in Bolivien geboren, einen 1951 erstmals edierten Zyklus knappster Gedichte. In Bern und Rom hatte er Nationalökonomie und Kunstgeschichte studiert, als Sekretär von Max Bill, eines Schlüsselkünstlers des Konkreten, kam Gomringer 1954 an die legendäre Hochschule für Gestaltung in Ulm. Zuvor, 1953 hatte er mit Dieter Roth und Marcel Wyss die Zeitschrift "Spirale" ins Leben gerufen.
Seit mehr als 30 Jahren lebt Gomringer in Wurlitz, Teil des oberfränkischen Rehau. Hier, in einem renovierten Schulhaus, sind das IKKP, das Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie, und das Kunsthaus Rehau untergebracht, in dem regelmäßig einschlägige Ausstellungen stattfinden. Beides Gründungen des emeritierten Professors der Kunstakademie Düsseldorf.
Gomringers bedeutende Sammlung bildet auch den Grundstock des 1992 eröffneten, einzigartigen Museums für Konkrete Kunst in Ingolstadt.
Familienkonferenz.
Eugen, Nortrud und Nora Gomringer. Freitag, 19.30 Uhr, Museum der Wahrnehmung, Graz, Friedrichgasse 41. Eintritt frei. www.muwa.at, www.kunsthaus- rehau.de, www.mkk-ingolstadt.de
Features
Fakten
Eugen Gomringer, geboren am 20. Jänner 1925 in Bolivien; Studien Nationalökonomie, Kunstgeschichte in Bern, Rom.
Schriftsteller, Theoretiker; Lehrtätigkeit u. a. in Ulm und Düsseldorf; Mitglied der Akademie der Künste Berlin.














