"Medizinisches Wunder": Vier Stunden unter Lawine überlebt
Der 39-jährige Südtiroler wurde von den Rettern unterkühlt, aber unverletzt geborgen. Laut Bergrettung dürfte er seiner "besonders dicken Kleidung" das Leben verdanken.

Foto © APASujetbild
Rund vier Stunden ist am Mittwoch ein Südtiroler Tourengeher unter einer Lawine begraben gewesen. Dennoch konnten die Bergretter den 39-Jährigen lebend aus den Schneemassen bergen. Der Mann war unterkühlt, aber ansprechbar. Er hat durch ein Loch in der Schneedecke atmen, sich aber nicht selbstständig befreien können.
Der 39-Jährige war alleine zu einer Tour auf die Königsangerspitze aufgebrochen. Bei der Abfahrt gegen zehn Uhr wurde er von der Lawine erfasst und unter den Schneemassen begraben. Weil er sich gegen zwölf Uhr zu Hause nicht zurückgemeldet hatte, schlug sein Bruder Alarm. Der Südtiroler war in einer Mulde in rund 2200 Metern Höhe vom Schneebrett erfasst worden. Er befand sich rund 30 Zentimeter unterhalb der Schneedecke. Unter anderem dürfte er laut Bergrettung seiner "besonders dicken Kleidung" das Leben verdanken.
Der Fall grenzt laut dem Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin an der EURAC in Bozen, Hermann Brugger, an ein "Wunder". "Der wichtigste Faktor für das Überleben ist die Sauerstoffzufuhr", sagte Brugger, denn sie sei dafür verantwortlich, dass die Körpertemperatur nicht rapide absinke. Lediglich zehn Prozent aller Lawinenopfer würden jedoch eine Verschüttung jenseits von zwei Stunden überleben. Der 39-Jährige habe also insofern "großes Glück" gehabt, dass er nicht nur eine Atemhöhle, sondern auch eine Verbindung nach außen gehabt habe, betonte Brugger. Ohne Atemhöhle sei das Schicksal innerhalb von 35 Minuten besiegelt, mit Atemhöhle, aber ohne Sauerstoffzufuhr hätten die Verschütteten im besten Fall bis zu zwei Stunden eine Chance. Bei ausbleibender Sauerstoffzufuhr sinke nämlich die Körpertemperatur mit bis zu neun Grad pro Stunde. Und unter 32 Grad komme es zu Herzrhythmusstörungen und in weiterer Folge zum Herzstillstand. Der Südtiroler hatte zum Zeitpunkt der Einlieferung in das Krankenhaus immer noch eine Körpertemperatur von 35 Grad aufgewiesen.
Ihm sei nur ein extremerer Fall bekannt, sagte Brugger. Vor rund zehn Jahren habe ein Tourengeher im Sarntal rund 24 Stunden unter einer Lawine gelegen und überlebt. Dem Verschütteten war es damals gelungen, durch Rütteln an seinem Skistock ein Loch freizulegen, das eine Luftzufuhr ermöglichte.










