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Zuletzt aktualisiert: 24.10.2011 um 05:49 UhrKommentare

Flussfahrt mit Musik auf Rhône und Saône

Vom Camargue-Reis zum Dijon-Senf, vom Rosé zum samtigen Roten, vom Stierkampf in die Opéra d'Avignon: eine Flussfahrt mit Musik auf Rhône und Saône.

Avignon mit dem Papstpalast

Foto © Fotolia / Sascha F.Avignon mit dem Papstpalast

Madame verharrt gelassen in der Umarmung, kann nicht vor und nicht zurück. Dann läuft ein Zittern durch ihren Leib und alle schauen zu. 19 Mal wird sich das Schleusen-Schauspiel mit der MS Swiss Pearl wiederholen. Am spektakulärsten in der Rhône-Schleuse Bollène - da hebt es das Schiff ganze 23 Meter in die Höhe, dem großen Wagen am Nachthimmel entgegen.

Dass sich das unvermeidbare Ächzen und Quietschen beim Heben mit einem Mozart-Divertimento oder Joseph Haydn kreuzt, kommt natürlich nur bei besonderen Flussreisen vor. Und auch da nur einmal. Schließlich ist Michael Springer ein Reiseveranstalter mit Kunstsinn und ebenfalls an Bord der Swiss Pearl.

"Fluss & Musik"-Projekt

Für das "Fluss & Musik"-Projekt hat die MS6 Reisegesellschaft (dahinter steht das Ehepaar Milli und Michael Springer sowie die vier Töchter mit M) vier Schiffe gechartert, die von verschiedenen Orten an der Rhône losfuhren, um die Wiener Symphoniker und gleich auch das Publikum zu Konzerten nach Avignon und Lyon zu transportieren. Ein Genuss - sofern die Schweizer Perle nicht mitten im Kammerkonzert an Bord in eine Schleuse muss.

Genuss wird auch ohne Musik großgeschrieben. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass die Römer seinerzeit nicht freiwillig nach Südfrankreich kamen, sondern von den Kelten gerufen werden mussten, um sie vor den Germanen zu schützen.

Während die Musiker proben, geht es in die Camargue zu den zierlichen Stieren mit den lyraförmigen Hörnern. Auf der Manade (wie die Bauernhöfe mit Viehzucht hier in der Gegen heißen) empfängt die gebürtige Kölnerin Stéphanie Arnaud die Besucher zu einem Schnellkurs in Tradition und Leidenschaft. Der spanische Einfluss ist groß, in der Arena von Nîmes gibt es an Wochenenden nach wie vor eine Corrida.

Auch Camargue-Stiere können im Kampf Karriere machen. "Über diese Helden erscheinen regelmäßig Berichte in den Lokalzeitungen. Sie werden aufrecht mit dem Kopf Richtung Meer begraben und bekommen am Todestag Blumen ans Grab", erzählt Stéphanie Arnaud, hoch zu (weißem) Ross. Der Stier, der als Gulasch mit rotem Camargue-Reis Karriere macht, hat es also nicht in die Pension geschafft.

An Bord der Swiss Pearl gibt es Wildschwein, worauf Obelix kurz durch die Tischgespräche geistert. Was den Römern die widerspenstigen Gallier, sind Schiffsreisenden von heute möglicherweise die Kernkraftwerke, die seitlich der Rhône in die Landschaft gesteckt sind: ein Dorn im Auge. Da klingt der Ausflug in das wild-romantische Ardèche-Tal samt Tropfsteinhöhle dann noch verlockender.

Arles und Avignon

Und: Das Schiff läuft ja auch Perlen an. Wie Arles. Oder Avignon - wo die Wiener Symphoniker unter Bertrand de Billy in der entzückenden Oper aufspielen. Und die Rotweinstadt Châteauneuf-du-Pape. Oder Vienne mit seinem vollständig erhaltenen römischen Tempel und dem restaurierten Amphitheater (für 11.000 Besucher), in dem seit 1981 das Festival "Jazz à Vienne" stattfindet. Täglich liegen neue Sehenswürdigkeiten vor der Haustür. Der reinste Luxus.

Bis Lyon - die Altstadt ist seit 1998 Weltkulturerbe - zur Saône-Mündung sind es rund 316 Kilometer, bis hierher ist die Rhône schiffbar. Beim Konzert der Symphoniker im über 2000 Besucher fassenden Auditorium Lyon wirken selbst vier Schiffsladungen Publikum etwas verloren. Die Sterne-Restaurants der Paul-Bocus-Stadt sind aber auch eine ernsthafte Konkurrenz.

Dreimal fünf Meter wird die Swiss Pearl noch auf der Saône gehoben, gewissermaßen dem Himmel entgegen: Erstens: Burgund mit der Hauptstadt Dijon. Zweitens: die Benediktinerabtei von Cluny. Der erhaltene Ostflügel lässt die gewaltigen Ausmaße des zeitweilig größten Kirchenbaus der Christenheit noch erahnen.

Zurück an Bord, wünscht man sich eine Woche mit lauter 34-Stunden-Tagen. Der Besuch in Beaune mit dem historischen Hospital Hôtel-Dieu war fast zu kurz, auch für Chalon-sur-Saône am Ausgangspunkt der Grands- Cru-Weinstraße blieb nur wenig Zeit. Also, auf ein Neues. Kein Wunder, dass Schiffsreisen so boomen.

USCHI LOIGGE

Mit Musik übers Wasser

Im Juli 2012 lädt die MS6 Reise- gesellschaft zum Klangbad ins östliche Mittelmeer: Die Wiener Philharmoniker unter Dirigent Herbert Blomstedt sowie die Solisten Rudolf Buchbinder (Klavier), Angelika Kirchschlager (Mezzosopran) und Rainer Honeck (Violine) sind an Bord der "Mein Schiff 1". Auf der Fahrt von und nach Valletta (Malta), über Istanbul, Kusadasi und Piräus, sind Kammerkonzerte an Bord und drei Gala-Konzerte an Land (u. a. in Ephesus) geplant.

Termin: 6. bis 13. Juli 2012. Preise: ab 2275 Euro (Innenkabine) pro Person. Ausflugspaket, Transfers zu den Konzerten inklusive.

In Planung: Eine Reise mit zwei Weltstars aus dem Gesangsbereich (Juli 2013), eine Fortsetzung der Reihe "Meer & Musik" mit den Wiener Philharmonikern (2014) sowie eine Barockmusik- Flusskreuzfahrt.

Info: Travel & Music GmbH, Tel. 0463 57 920.

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