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Zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 um 19:39 UhrKommentare

EU prüft Flughafen wegen Airline-Rabatten

Der Flughafen Klagenfurt ist im Visier der Wettbewerbsbehörde, weil er Fluglinien Rabatte gewährt, aber selbst öffentlich subventioniert wird. Das Land verteidigt das.

Der Flughafen Klagenfurt wirbt für und um Airlines. Jetzt prüft die EU das Rabattsystem. Airport-Chef Gatterer: "Rabatte sind ein Grundprinzip"

Foto © KLZ/Traussnig, KK/Flughafen KlagenfurtDer Flughafen Klagenfurt wirbt für und um Airlines. Jetzt prüft die EU das Rabattsystem. Airport-Chef Gatterer: "Rabatte sind ein Grundprinzip"

Seit Jahren wird hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen, dass der Flughafen Klagenfurt seinen Fluglinien großzügige Rabatte gewährt, um sie dadurch zu ködern oder zu halten. Das Wort "Marketingbeitrag" ist dadurch bereits einigermaßen in Verruf geraten, es ist ein typisches Relikt aus der Ära Haider.

Jetzt sind die EU-Wettbewerbshüter stutzig geworden. Gestern haben sie gegen den Kärntner Flughafen und die deutschen Regionalflughäfen Saarbrücken, Zweibrücken und Lübeck ein Verfahren eröffnet. Untersucht wird, ob die Flughäfen mit ihren Rabatten und Zuschüssen für Fluggesellschaften gegen das EU-Beihilferecht verstoßen. Denn: Die Airports werden ja öffentlich subventioniert.

Der Flughafen mit dem Städtekürzel KLU erhält regelmäßige Kapitalzufuhren von Bund, Land und Stadt Klagenfurt. Die EU-Kommission bezweifelt nun, dass die Behörden "den Grundsatz des marktwirtschaftlich handelnden Kapitalgebers befolgt" haben und sie bezweifelt weiters, dass der Flughafen unter Marktbedingungen betriebsfähig wäre.

Darüber hinaus gewähre der Flughafen sämtlichen Fluggesellschaften, die ihn anfliegen, "systematische Rabatte und entrichtet zusätzliche Zahlungen an Ryanair, Tui-fly und Air Berlin". Ein möglicher "unfairer wirtschaftlicher Vorteil" für die begünstigten Fluggesellschaften gegenüber konkurrierenden Airlines.

Flughafen-Chef Johannes Gatterer verteidigt sein Konzept. "Rabatte sind ein Grundprinzip. Die ganze Wirtschaft besteht aus Rabatten", so der 55-Jährige. "Wir geben Rabatte auf Passagiere, Destinationen und Frequenzen. Das ist sogar auf unserer Homepage abrufbar." Gert Xander, Aufsichtsrat-Chef des Flughafens assistiert: "Die Rabatte sind dem Aufsichtsrat bekannt. Wir gehen davon aus, dass alles passt."

Preis lass nach

Und auch Finanzlandesrat Harald Dobernig (FPK) steht zum Rabattsystem. "Ein Regionalflughafen ist ohne Preisnachlässe kaum überlebensfähig", argumentiert er. Allein: Was genau gezahlt wird, will niemand beziffern. Auch nicht jene Summen, mit denen der Flughafen jährlich von seinen Eigentümern, der Stadt Klagenfurt (20 Prozent) und der Kärntner Landesholding (80 Prozent), unterstützt wird.

Einzig Wirtschafts- und Tourismuslandesrat Achill Rumpold wird konkreter. "Was ich weiß, zahlt das Landes-Finanzreferat jährlich 800.000 Euro an den Flughafen. Dazu kommt noch einmal dieselbe Summe vom Zukunftsfonds." Wie viel die Stadt dem Flughafen zahlt, muss Vizebürgermeister und Wirtschaftsreferent Albert Gunzer (FPK) "erst nachsehen". Jedenfalls hat Gunzer einen Vorschlag: "Der Flughafen ist einer der wichtigsten Standortfaktoren für die heimische Exportwirtschaft. Also könnte er doch mit der Industriellenvereinigung kooperieren, die Anbindungen nach Wien und München braucht."

Wann die EU-Behörde ihre Vorwürfe fertiggeprüft hat, ist unklar. Es steht zu erwarten, dass sie allgemeingültige Rabatt-Regeln festlegen will.

Steht der Sessel von Flughafen-Chef Gatterer, der seinen Job zuzeiten von Landeshauptmann Haider bekam, zur Disposition? "Mein Vertrag geht bis Juni dieses Jahres", sagt er. Und Aufsichtsrat-Chef Xander sagt gestern zu einer Verlängerung: "Warum nicht?"

Es heißt, dass der Flughafen schuldenfrei ist und sich betriebswirtschaftlich rechnet. Der Umsatz betrug 2011 rund zwölf Millionen.


Einst und jetzt

1914 wurde der Flughafen Klagenfurt als Militärflugplatz gegründet. Bald starteten die ersten Linienflüge nach Venedig, Laibach und Wien. 1938 von der deutschen Wehrmacht übernommen, wurde der Flughafen 1951 für die zivile Luftfahrt freigegeben.

2005 gab es die bisher höchste Passagier-Zahl von 522.000.

Ryanair, die größte Billig-Airline in Europa, baute den Standort Klagenfurt Ende 2008 nach der Zusage massiver Subventionen aus.

Eigentümer des Flughafens sind zu 80 Prozent das Land und zu 20 Prozent die Stadt Klagenfurt.

KLU ist der kleinste Verkehrsflughafen Österreichs und hat 53 Beschäftigte.

Eine Gebühr, sechs Tarife

Die Gebühr, die die Fluglinien einem Flughafen zahlen müssen, sind für einen Normalverbraucher undurchschaubar. Sie ergibt sich aus:

dem Fluggasttarif, er wird pro beförderten Passagier für die Benützung des Flughafens eingehoben;

dem Landetarif, er fällt pro Flugzeug an, gestaffelt nach dem Startgewicht. Dabei wird die Abnützung der Landebahn in Rechnung gestellt;

dem Parktarif, der anfällt, wenn das Flugzeug länger als vier Stunden abgestellt wird;

dem Sicherheitstarif, für Passagier-Sicherheitsleistungen;

dem Infrastrukturtarif, etwa für die Entsorgung von Müll;

und dem Abfertigungsentgelt für Leistungen, die der Bodenverkehrsdienst erbringt, etwa als Vergütung für Frachtverladung.

Zahlen und Fakten

375.000 Passagiere verzeichnete der Flughafen Klagenfurt 2011. Damit fiel die Zahl erstmals seit 2003 unter die 400.000er-Grenze. Für 2012 schaut es trist aus.

12 Millionen Euro betrug der Umsatz des Flughafens 2011. Laut Flughafen-Chef Gatterer rechnet sich der Airport betriebswirtschaftlich und ist schuldenfrei.

3 Fluglinien bieten ab Klagenfurt im Sommerflugplan Linienflüge an. AUA nach Wien, Germanwings nach Köln und Ryanair nach London.

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