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Zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 um 17:28 UhrKommentare

Malerisches 3D-Märchen "Hugo Cabret"

Mit Martin Scorsese in ein Paris der Träume: Zwei Waisenkinder sind in den frühen 1930ern auf der Spur eines verschollenen Kino-Pioniers und dessen fantastischer Bilderwelt.

Foto © Paramount Pictures

Die Überraschung ist Martin Scorsese gelungen. Der für knallharte Kinokost bekannte Regie-Altmeister schlägt in "Hugo Cabret" märchenhafte Töne an. In seiner ersten 3D-Produktion erschafft er ein Paris der Träume und schickt zwei Waisenkinder in den frühen 1930ern auf die Spur eines verschollenen Kino-Pioniers und dessen fantastischer Bilderwelt. Der für elf Oscars nominierte Film läuft am Freitag (10. Februar) in Österreichs Kinos an.

Der Favorit der heurigen Oscar-Gala beginnt im Bahnhof von Montparnasse. Hier pulsiert das Leben der malerisch verschneiten Metropole, Menschenmassen drängen zu den dampfenden Lokomotiven, Musik dringt aus den Cafés, vor Restaurants und Geschäften wird diskret geflirtet. "Es ist ein überhöhtes Paris. Unsere Vorstellung von Paris zu jener Zeit", sagt Scorsese.

Illustrierter Kinderroman

Die Geschichte beruht auf einem illustrierten Kinderroman des US-Autors Brian Selznick: Hugo Cabret (Asa Butterfield) lebt zwischen den Wänden des Bahnhofs. Seit dem Tod seines Vaters (Jude Law) hilft er seinem alkoholkranken Onkel Claude (Ray Winstone) bei der Wartung der Bahnhofsuhren und ist ständig auf der Flucht vor dem bösartigen Stationsvorsteher (Sacha Baron Cohen). Um das einzige Erinnerungsstück an seinen Vater, einen Schreibautomat mit menschlichen Zügen, reparieren zu können, bestiehlt er den Spielzeughändler Georges (Ben Kingsley) und wird eines Tages erwischt.

Doch auch Georges hat ein verwaistes Kind bei sich aufgenommen. Die abenteuerlustige Leseratte Isabelle (Chloe Grace Moretz) schließt Hugo ins Herz. Gemeinsam finden die beiden heraus, dass Georges niemand geringerer ist als der in Vergessenheit geratene Kino-Pionier Georges Melies. Gemeinsam mit dem Filmhistoriker Rene Tabard (Michael Stuhlbarg) wollen sie den gekränkten alten Mann von der Schönheit seiner Kunst neu überzeugen.

Durch die Verarbeitung der wahren Geschichte von Melies, der als erster Vertreter des Erzählkinos gilt, bekommt das eigentlich recht simple Rührstück eine raffinierte Wendung. Der perfekte Stoff für den filmhistorisch beschlagenen Scorsese, der übrigens Ehrenpräsident des Österreichischen Filmmuseums ist. Er vermittelt die Faszination von Melies' frühen Fantasy-Filmen durch Originalaufnahmen und die Rekonstruktion von Dreharbeiten und erweist nebenbei zahlreichen weiteren Stummfilmen Referenzen.

Wie die Zahnräder der Bahnhofsuhren greifen in "Hugo Cabret" Kinogeschichte, der Mythos Paris und die Schicksale von Hugo und Georges ineinander. Gelungen ist auch der klare und unaufdringliche Einsatz der 3D-Technologie. Der Martin Scorsese für die ganze Familie könnte Fans von Klassikern wie "Taxi Driver" (1976) zu lieblich sein, viele dürfte es aber freuen, den Meister von einer weniger gewalttätigen Seite kennenzulernen.


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