Abgefahrenes Parken: Der motorisierte Mitbewohner
Kein Auto muss ein tristes Schattendasein in einer dunklen Garage fristen. Vier Beispiele dafür, wie gut es aussehen kann, wenn Auto und Architektur unter ein und demselben Dach wohnen.

Foto © Makoto Yoshido/Jimmy CohressenHaus und Garage sollen zu einer ästhetischen Einheit verschmelzen
Während unsereins beim Nachhausekommen oft froh ist, wenn er überhaupt einen Parkplatz für sein Auto findet, gibt es Bauherren, deren "Autohäuser" weit über den Begriff Garage oder Carport hinausgehen. Ihnen genügt bloße Funktionalität nicht, deshalb räumen sie ihren Stellplätzen in ihrem Haus genauso hohen Stellenwert ein, wie der Küche und dem Schlafzimmer oder leben mit ihren fahrbaren Untersätzen sogar unter demselben Dach. Vier fantastische Beispiele:
Motorisierte Mitbewohner
Beispiel 1: Wo sonst sollte dieses Haus stehen, als in der Autostadt Stuttgart: Der orange Porsche 911 hat von seinem über Obst- und Weingärten gelegenen Parkplatz aus den Bezirk Zuffenhausen, wo seine Wurzeln liegen, im Blick. Der Architekt verwirklichte mit diesem Projekt seinen persönlichen Wohntraum aus Stahlbetonfertigteilen und viel Glas, in dem er seinen Autos besonderen Platz eingeräumt hat. Von Hang aus fährt man mit Fahrzeug in den dritten Stock des Hauses ein, wo der Bauherr zwei verglaste Stellplätze für seine Schätze geschaffen hat. Nur ein paar Meter entfernt von seinem eigenen Schlafzimmer.
Beispiel 2: Als würde die Villa am Vierwaldstättersee bewachen, was sich im Bauch des Berges versteckt, thront sie über der Garageneinfahrt. Mit dem Lift und durch einen stollenartigen Gang gelangt man die drei Geschosse hinunter, wo es der Autofan seinen acht Porsches ähnlich wohnlich gemacht hat, wie ihm selbst. Von einem Loungebereich aus kann er seine Sammlung bewundern, die Oldtimer mit einer Licht- und Soundanlage nach belieben in Szene setzen. Für mechanische Notfälle ist nebenan auch eine gut sortierte Werkstatt untergebracht.
Beispiel 3: Fünf Quadrate aus Sichtbeton deuten an, dass unter der Blumenwiese auf dem Hang bei Winterthur ein Schatz versteckt sein muss. Diskret hat der Bauherr in den Berg eine große Tiefgarage integrieren lassen, in der er seine Autosammlung vor neugiereigen Blicken geschützt ist. Aber weil man manchmal auch ganz gerne zeigt, was man hat, ist jeder Kubus, der gleichzeitig als Lichteinlass dient, verglast. Unter der Besitzer parkt nach Lust und Laune ein paar seiner Chromjuwelen in der Auslage.
Beispiel 4: Im Bergischen Land zeigt sich das Langhaus als ursprünglicher Bautyp germanischer Siedler, das alle Funktionen unter einem Dach vereint, in einer modernen Interpretation. Der zweigeschoßige 23 Meter langer Baukörper ist seitlich fensterlos mit einer dunklen Faserzementhaut überzogen und wo beim beim klassischen Vorbild füher inst Stall und Scheunen für Nutztiere untergebracht waren, befindet sich hier ein großzügiges mit sibirischem Lärchenholz getäfeltes Carport, das bis zum Dachfirst ansteigt und gleichzeitig als überdachter Eingang dient. Schließlich ist das Auto ja auch das Nutztier der Neuzeit.
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Zum Thema
Das Buch
"Haus & Auto" von Andreas K. Vetter präsentiert 40 innovative Lösungen für die fahrbaren Schmuckstücke designbewusster Architektur- und Autoliebhaber. Die vorgestellten Stellplatz-Konzepte genügen allen praktischen Ansprüchen, stellen jedoch die architektonischen in den Vordergrund. Von der Tiefgarage bis zum Autolift, vom Carport bis zur "Wohngarage". Wesentlich dabei: Die Garage ist kein isoliertes Element vor dem Haus, sondern integriert sich formal und führt die Architektur des Einfamilienhauses konsequent fort. So verschmelzen Haus und Garage zu einer ästhetischen Einheit.


















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