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Zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 um 08:07 UhrKommentare

Fernwärme: Kälte heizt Streit an

Altes Kraftwerk in der Puchstraße brummt, doch die neue Leitung nach Mellach ist nicht in Sicht. Probleme bestätigen aber weder Verbund noch Energie Steiermark.

Fernwärme: Bürgermeister Nagl dräng auf eine höhere Versorgungssicherheit für die Grazer

Foto © Marija KanizajFernwärme: Bürgermeister Nagl dräng auf eine höhere Versorgungssicherheit für die Grazer

Graz darf nicht Salzburg werden. Also einen Totalausfall des Heizwerks erleben, wie er am vergangenen Wochenende rund 12.000 Fernwärmekunden in der Mozartstadt eiskalt erwischt hat. Darüber ist man sich im Grazer Rathaus einig. Und blickt mit mehr oder weniger vielen Sorgenfalten auf die jüngsten Verbrauchsdaten: Demnach war der Fernwärmebedarf zuletzt 415.000 Kilowatt groß, die Energie kam aber nicht nur aus dem "modernsten Gas-Kombi-Kraftwerk Europas" in Mellach (Zitat Verbund), sondern aus dem alten Gaskraftwerk in der Puchstraße.

"Ein ökologischer Wahnsinn, der Ausstoß dort beträgt stündlich 60 Tonnen C02", beklagt der Sprecher von Bürgermeister Siegfried Nagl (VP). Diesem liegt ebenso "die Versorgungssicherheit der Grazer" am Herzen. Im Magen liegt ihm, dass das Projekt einer zweiten Fernwärmeleitung nach Mellach nicht vorankommt. Im Gegenteil: Im Vorjahr erteilten Umweltministerium und Gremien dem 80 Millionen Euro schweren Vorhaben eine Absage. Es sei volkswirtschaftlich problematisch beziehungsweise noch zu früh dafür. Kurzum: Förderungen wird es keine geben.

Unverständlich für Teile der Politik und der Holding Graz. Sie lehnen ein "völlig veraltetes System" (Puchstraße) ab. Obendrein fragt man sich, wie volkswirtschaftlich elf Millionen Euro jährlich aus Graz an die Energie Steiermark (Estag) für die Verbindung nach Mellach sein sollen. Gerüchte, wonach es am Wochenende mit einer Pumpe Ärger gegeben hätte, tragen nicht eben zur Beruhigung bei.

Probleme bestätigen aber weder Verbund noch Energie Steiermark. "Die Grazer Fernwärmeversorgung läuft absolut problemlos und störungsfrei", betont Estag-Konzernsprecher Urs Harnik. Überhaupt wird "das Fernheizkraftwerk Puchstraße nur selten dazugeschaltet". Es produziere nur knapp fünf Prozent der Wärme, wäre aber ein unverzichtbarer Sicherheitsfaktor für Notfälle. Ein derartiges Sicherheitsnetz hat Salzburg nicht. Und: In den kommenden zwei Jahren würde man mehr als 40 Millionen Euro in Modernisierung und Ausbau der Grazer Fernwärmeversorgung stecken.

Umweltreferentin Lisa Rücker (Grüne) hat mit C02-Belastung durch das Kraftwerk Puchstraße keine Freude. "Es sind aber nicht 60, sondern elf Tonnen mehr als üblich in der Stunde." So oder so ist es aus ihrer Sicht "sinnlos, für ein paar Tage im Jahr eine sauteure zweite Leitung nach Mellach zu errichten. Besser ist es, sich breiter aufzustellen. Wir müssen die Abwärme der Industrie abholen." Verhandlungen mit Großbetrieben laufen längst.

THOMAS ROSSACHER

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